Erfolgreich und trotzdem falsch: Warum das diffuse Unbehagen mit 40 kein Zufall ist

Erfolgreich und trotzdem falsch: Warum das diffuse Unbehagen mit 40 kein Zufall ist – Coaching für Karriere und Führung

Erfolgreich und trotzdem unglücklich: Warum dieses diffuse Unbehagen mit 40 kein Zufall ist

Du hast bekommen, wofür du jahrelang gearbeitet hast. Den Titel, das Team, vielleicht auch das Gehalt. Von außen sieht deine Karriere aus wie eine Erfolgsgeschichte, die man anderen erzählt. Und trotzdem gibt es diese Momente – auf der Couch, im Auto, kurz vor dem Einschlafen – in denen du merkst: Du sitzt genau da, wo du hinwolltest, und es fühlt sich trotzdem nicht richtig an. Nur so ein leichtes, anhaltendes Ziehen in der Magengrube.

Die meisten Menschen, die zu mir kommen, haben dieses Gefühl schon eine Weile mit sich getragen, ohne es jemandem gegenüber ausgesprochen zu haben. Es fühlt sich undankbar an, es ergibt scheinbar keinen Sinn, und man fragt sich, was denn bitte noch fehlen soll.

Erfolg und Richtigkeit sind zwei verschiedene Dinge

Der Grund, warum dieses Unbehagen so schwer zu greifen ist, liegt in einer Verwechslung, die fast jeder irgendwann macht: Wir glauben, dass äußerer Erfolg und innere Stimmigkeit dasselbe messen. Dass der Beweis, es weit gebracht zu haben, auch der Beweis ist, dass es der richtige Weg war.

Aber das tut er nicht. Erfolg zeigt, wie gut du in einem System funktionierst, das andere gebaut haben. Er zeigt Anpassungsfähigkeit, Durchhaltevermögen und handwerkliche Exzellenz. Was er nicht zeigt: ob das System, in dem du dich so geschickt bewegst, das richtige für dich ist.

Das klingt einfach, wenn man es so formuliert. Aber in der Praxis verschmelzen diese beiden Dinge über Jahre. Du wirst besser in dem, was du tust. Du wirst anerkannt. Du übernimmst mehr Verantwortung. Und weil diese Entwicklung sich nach vorne anfühlt, hört du irgendwann auf, dir die Frage zu stellen, ob „vorne“ auch die Richtung ist, in die du willst.

Warum dieses Gefühl oft erst mit 40 auftaucht

Es gibt einen Mechanismus, der erklärt, warum diese Frage so häufig zwischen 35 und 50 auftaucht. Die Autorin Gail Sheehy hat ihn in den 1970er Jahren in ihrem Buch „Passages“ beschrieben, und die neuere Forschung zur sogenannten Midlife-Transition bestätigt, was viele Menschen intuitiv spüren: Mit zunehmender Berufserfahrung verändert sich, was von einem Beruf erwartet wird. In den ersten Jahren geht es darum, Kompetenz aufzubauen und dazuzugehören. Mit 40 ist beides oft erreicht. Was dann folgt, ist eine Frage, für die der bisherige Karriereverlauf keine Antwort liefert: Wofür noch?

Die Forschung zur Lebensmitte zeigt konsistent, dass Menschen in dieser Phase häufig beginnen, Erfolge nicht mehr additiv, sondern evaluativ zu betrachten – also weniger „was habe ich erreicht“ als „hat es sich gelohnt, und was fehlt trotzdem“. Das ist keine Midlife-Crisis im Klischee-Sinne. Es ist ein kognitiver Reifeprozess. Und aus meiner Erfahrung mit Klienten fällt er bei Menschen mit hohem Engagement für ihre Arbeit besonders intensiv aus – weil sie zwanzig Jahre lang mit voller Kraft in eine Richtung gegangen sind und in dieser Zeit bestimmte Fragen schlicht nicht gestellt haben. Das Unbehagen ist oft der Moment, in dem diese Fragen die Oberfläche durchbrechen.

Was das Unbehagen misst und was es nicht ist

Das Schwierige an diffusen Gefühlen ist, dass wir sofort versuchen, sie zu erklären. Zu diagnostizieren. Wir fragen uns, ob wir ausgebrannt sind, ob wir den falschen Job haben, ob wir einen anderen Chef bräuchten oder einfach mehr Urlaub. Und manchmal stimmt eine dieser Antworten sogar. Aber meistens verdecken solche Einzelerklärungen das eigentliche Signal.

Dieses Unbehagen zeigt die Unstimmigkeit zwischen dem, was du täglich tust, und dem, was dir wichtig ist. Es ist kein Zeichen, dass du gescheitert bist. Es ist ein Zeichen, dass du dich entwickelt hast und dass die Werte, die dir heute etwas bedeuten, sich von denen unterscheiden können, nach denen du vor zehn Jahren Entscheidungen getroffen hast.

Menschen, die Karriereentscheidungen mit Anfang dreißig auf Basis von Sicherheit, Status oder Zugehörigkeit getroffen haben, merken mit Ende dreißig oder Anfang vierzig häufig, dass diese Maßstäbe sich verschoben haben. Sie haben sich verändert. Das Unbehagen ist also der Abstand zwischen gestern und heute.

Warum Schweigen das Gefühl nicht auflöst

Viele erfahrene Fachleute und Führungskräfte reagieren auf dieses Unbehagen mit einer Mischung aus Übergehen und Optimieren. Sie nehmen ein neues Projekt an. Sie starten einen Seitenstrang. Sie buchen einen Kurs. Das sind valide Ablenkungsmanöver. Aber diffuses Unbehagen löst sich nicht durch Aktivität auf, weil da eine offene Frage ist, die beantwortet werden will.

Die Alternative ist, das Gefühl ernst zu nehmen, ohne sofort eine Entscheidung daraus abzuleiten. Es erstmal nur zu benennen. Und sich zu fragen, was es zeigt. Eine Standortbestimmung zu machen, die nicht beim Lebenslauf beginnt, denn der zeigt nur, wo du warst, und nicht, was dir fehlt oder wo du hinwillst.

Der erste Schritt: Werte nicht auflisten, sondern gegeneinander prüfen

In der beruflichen Standortbestimmung beginnt die Arbeit fast nie mit der Frage nach dem nächsten Schritt. Sie kann beispielsweise mit der Frage beginnen „wofür hast du in den letzten zwölf Monaten tatsächlich etwas zurückgestellt“ – denn da zeigt sich der Unterschied zwischen Werten auf dem Papier und Werten im Leben.

Werte aufzulisten ist einfach. Fast jeder hat eine Handvoll Begriffe zur Hand: Familie, Freiheit, Wirksamkeit, Integrität. Das Problem ist, dass diese Begriffe auf dem Papier alle nebeneinander stehen, im Leben aber miteinander konkurrieren. Die Arbeit mit Wertekarten stellt genau diese Konkurrenz her: Wenn du nur eines von beidem haben könntest, was wählst du? Und was bedeutet diese Wahl für die Entscheidungen, die du gerade vor dir herschiebst?

Einen kleinen Vorgeschmack für die Arbeit mit Wertekarten findest du auf https://www.leiftietje.de/werte-duell/

Im Weiteren Coaching können wir dann sichtbar machen, welche Werte du lebst und welche du auf deiner Liste stehen hast, ohne ihnen im Alltag Raum zu geben. Könnte der Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen die Ursache für dein Unbehagen sein?

Ich unterstütze dich gern bei der Standortbestimmung, lass uns dazu sprechen, wenn du magst: https://cloud.leiftietje.de/apps/appointments/pub/ba1aqNMllGAyVQQB/form


Hinweis zur Transparenz: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt und von Leif Tietje am 8. September 2026 redaktionell überprüft.

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